DLM 2018

Veröffentlicht: 02.10.2018 von Philipp Müller Kategorie: Sonstige Drucken

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Unter 20 Mannschaften trudelte unsere "Zweite" auf dem 19. Platz ein, dort war sie auch gesetzt. Zwar fühlt sich ein einziger Sieg gegen das Saarland etwas mau an, aber Trainingsschlüsse lassen sich hier dennoch zuhauf ziehen. Unsere "Erste" überzeugte vor allem nach einer internen Besprechung nach der fünften Runde, indem sie noch die zwei  Schlussrunden gewann und sich auf den 6. Platz katapultierte. Sie war an 10 in der Mitte gesetzt und da sind vier Siege, ein Unentschieden bei nur zwei Niederlagen ein gutes Ergebnis.

In unserer zweiten Mannschaft stachen vor allem anfangs Danny Yi, der zwischenzeitlich 3/3 hatte und hinten raus abbaute, und Georg Jakob, dem am zweiten/dritten Brett 4/6 gelangen, heraus. Ein Zeichen dafür, dass wir einen sehr starken 2004er-Jahrgang haben. Umso bedrückender die Lage, dass im 2005er- und 2006er-Jahrgang so viel Abstand herrscht.
Die erst 9-jährige Evelin Bako hat sich gut in das Abenteuer Mannschaftswettbewerb integriert. Unsere WSJ-Hoffnungen ruhen in ihr und ihrer Schwester. Wenn sie weiter so dabei bleiben, werde ich die Familie Bako in ein paar Jahren immer mit Kusshand begrüßen. Zieht man sie nämlich ab, kommt nach Ann-Sophie Wörz lange nichts im Mädchenbereich. Andere Verbände sind da deutlich weiter als wir Württemberger. Talente werden dort wohl besser erkannt, aber auch besser verstanden und gefördert.

Unsere erste Mannschaft wurde vor allem durch die Zugpferde Simon Degenhard (5/7), der ausgerechnet gegen beide Badener Spitzenspieler verlor und es vorzog, gegen einen Hamburger IM eine mausetote Stellung ins Remis zu retten (:D), Tobias Kölle (4,5/7), Nils Richter (5/7), Katrin Leser (5,5/7), die am meisten Punkte von allen Württembergern holte und durchschnittlich sehr lange und kampfbetonte Partien führte, sowie hinten raus Ann-Sophie Wörz (4,5/7), die nach anfänglichen Missverständnissen wunderbar in den Mannschaftswettbewerb einlebte und das Turnier mit sehr starken 3,5/4 beendete, getragen.

Nikolas Karl Wildermuth ("Zweite") und Sijia Anna Liu ("Erste") hatten kleinere oder größere Wehwehchen gesundheitlicher Natur und erlebten auch deswegen einen Spielstärkeeinbruch mit teils skurillen Entscheidungen. Kevin Walter und Sijia Anna Liu hatten aber auch einen um drei Jahre jüngeren Spieler ein Brett vor sich sitzen und mein Trainerkollege Georg Braun und ich sind da einer Meinung, dass dieser Faktor zu einem erheblichen Teil zu einer gehemmten Leistung führt. Statt dem gesunden Selbstvertrauen können Selbstzweifel auftauchen. Wenn man anfängt, sich zu vergleichen und zu glauben, dass man plötzlich eh schlechter ist, obwohl man Ressourcen gehabt hätte/hatte, dann passiert so etwas wie eine kurzfristige Wachablösung, wie wir sie im DFB 2011 und 2012 mit dem FC Bayern München und Borussia Dortmund erlebten. Sportpsychologisch sehr interessant, wie jedermann sagte, dass nach dem "Ausrutscher"-Titel 2011 des BVB alle meinten, dass die Bayern mit deutlichem Abstand 2012 Meister werden, allein wegen Rache-Gelüsten. Stattdessen waren sie zu verkopft und es benötigte erst das tragikomisch verlorene "Finale Dahoam", was wider Erwarten einiger die Bayern nicht zurückwarf, sondern sie durch eine "Jetzt erst recht"-Haltung und ein akribisches Ausmerzen von winzigen Fehlerdetails das Champions League-Finale 2013 gegen die damals aus Bayernsicht ultimativen Dortmunder gewinnen ließ - Stichwort Endgegner.

Genug des Fußballjargons. Bei Jan Brunner muss ich mich entschuldigen, dass er wegen Unachtsamkeit aller vier Mal Schwarz bei nur einer Weißpartie hatte.
Tobi und Marius müssen an ihrer Körpersprache arbeiten. Noch kann man ihnen zu einfach ansehen, wie sie stehen. Schlechte Stellung und Pokerface dazu kann Wunder bewirken. Tobi und Nikolas hatten für meinen Geschmack etwas viel Quatsch im Kopf. Tobi konnte zwischenrundig und während der Partie gut differenzieren, Nikolas eher weniger. Für fast die Hälfte der Spieler gilt, dass man allgemein keine Stellungsmuster ausschließen sollte, nur weil man schubladendenkend etwas Negatives mit ihnen assoziiert. Marius war so gegen Baden 1 in einem subjektiven Verlustempfinden gefangen, obwohl er bei Zutrauen einer Isolani-Stellung beste Gewinnaussichten gehabt hätte. Ein paar Spieler machten auch deswegen gegen vermeintlich schlechtere Gegner remis, weil sie (Abtausch-)Abwicklungen fehlerhaft bewerteten oder sich gar nicht bewusst waren, dasss sie dadurch dem unglücklichen unentschiedenen Partieausgang näher kommen. Allgemein gilt für alle, dass an ihrer Zitat "Königsdisziplin", nämlich der Selbstreflexion arbeiten sollten. Für die Zukunft erwarte ich mir mehr proaktives Zugehen auf Jüngere und Schwächere, um sie an die Hand zu nehmen und ihnen zu verdeutlichen: "Ich bin nicht eigenbrödlerisch, sondern für dich da, denn wir sind ein Team". Ein bisschen mehr Selbstlosigkeit, Zuvorkommenheit, "dienen können", Menschenkenntnis, Empathie. Kurzum die weichen Faktoren, die die harten (Spielverständnis, Talent, Trainingsfleiß) ummanteln. Ein Mannschaftswettbewerb bleibt ein Mannschaftswettbewerb, in welchem Konkurrenzdenken stört. Das Ziel ist, zukünftig ein Team um die Spieler herum zu bauen, bei welchem die Präsenz von Elternteilen überflüssig ist. Andere Landesverbände leben das schon lange. Der Austausch mit den Eltern ist zwar gut und informationsgewaltig; dennoch lenkt es etwas die Aufmerksamkeit und die Ressourcen vom eigentlichen Kerngeschäft ab. Schließlich sitzen die Kinder später alleine an den Brettern und Verbesserungsvorschläge kann ich post mortem (nach dem Turnier) immer noch an die Heimtrainer und zu Hause gebliebenen Eltern übermitteln.

DLM 2018 Würzburg Württemberg I
Unsere "Erste" vlnr.: Kevin Walter, Nils Richter, Georg Jakob, Philipp Müller (beide Trainer), Ann-Sophie Wörz, Tobias Kölle, Katrin Leser, Marius Deuer, Sijia Anna Liu und Simon Degenhard.

DLM 2018 Würzburg Württemberg II
Unsere "Zweite" vlnr.: Marc Schallner, Danny Yi, David Wendler, Georg Braun, Philipp Müller (beide Trainer), Hannah Zell, Evelin Bako, Mirjam Zell, Jan Brunner, Nikolas Karl Wildermuth und Georg Jakob.

Die Insider verstehen auch, wenn ich jetzt im Laufschritt meine Doppelkinn-Analyse beende und auf eine sehr gehaltvolle DLM zurückblicke. Von allen 17 Spielern, mit denen ich zu tun hatte, ist vermutlich Georg der Unterschätzteste. Nils ist auf einem sehr guten Weg, eine konstant starke Spielstärke zu erlangen. Aus Kiebitz-Sicht läuft mir im Hinblick auf die Rückkehr nach Würzburg zur WJEM 2019 insbesondere mit der U16 (Tobias Kölle, Danny Yi, Nils Richter, Dominik Gheng, Lars Waffenschmidt, Noah Geltz, Dominik Gheng, Simeon Triantafillidis, Stefan Leser uvm.) das Wasser im Mund zusammen.